20.02.2019 16:30 Uhr
BFV-Interview

,Badeschlappen‘: „Viele Leute vergessen, dass es ein Spiel ist“

von Christian Bellinger

Specials
Foto: eSportStudio/DFL
Foto: eSportStudio/DFL
Lukas „Badeschlappen“ Hösch spricht im BFV-Interview unter anderem über Twitch, die FIFA-Community und Vorbildfunktionen.

Der offizielle Content Creator des 1. FC Nürnberg gehört zu den einflussreichsten FIFA-Influencern in Deutschland. Auf der Streaming-Plattform Twitch hat der 24-Jährige mehr als 150.000 Follower und verfügt damit über eine außerordentliche Reichweite. Der „Club“-Fan kommentierte in der Saison 2017/18 für die ARD-Sportschau auf YouTube zusammen mit anderen prominenten YouTubern das Halbfinale des DFB-Pokalwettbewerbs.

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Lukas, du gehörst zu den einflussreichsten FIFA-Influencern in Deutschland. Hast du diese Entwicklung erwartet, als du Anfang 2016 den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen bist?

Auf keinen Fall! Als ich Ende 2011 meinen YouTube-Kanal erstellt habe, war mir überhaupt nicht bewusst, was daraus einmal werden kann. Ich hatte einfach Lust, mich an etwas Neuem auszuprobieren. Auch den Schritt in die Selbstständigkeit – nach meiner abgeschlossenen Ausbildung zum Industriekaufmann – bereue ich definitiv nicht.

Was kannst du Nachwuchstalenten in der Content-Erstellung mit auf den Weg geben?

Ich würde sagen, das „Geheimrezept“ ist Spaß. Man sollte nicht mit der Motivation starten, möglichst von jetzt auf gleich viele Leute zu erreichen beziehungsweise das große Geld zu verdienen. Mit dieser Einstellung kommt man im Normalfall nicht weit. Man sollte sich überlegen, worauf man genau Lust hat, und dann einfach loslegen. Der Rest ergibt sich von ganz allein.

Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag für dich aus?

Den „typischen Arbeitsalltag“ gibt es eigentlich nicht. Normalerweise streame ich wöchentlich circa 35 Stunden von Montag bis Sonntag und lade drei Videos auf meinem YouTube-Kanal hoch. Das ist die Arbeitszeit, die man als Zuschauer mitbekommt. Allerdings fallen genügend „nicht-öffentliche“ Tätigkeiten – wie zum Beispiel Mails/Anfragen beantworten, neue Konzepte erarbeiten, Sponsoren/Partner suchen und Ähnliches – an, die pro Woche noch mal mindestens 30 Stunden in Anspruch nehmen. 

Wie lange dauert es ungefähr, ein zehnminütiges YouTube-Video zu produzieren?

Da ich meine YouTube-Videos größtenteils aus meinem Streaming-Content herausziehe, ist das im Normalfall relativ schnell erledigt. Vom Aufnehmen über das Schneiden bis hin zum Erstellen der Grafiken und Hochladen dauert es knapp zwei Stunden.

Warum bist du so erfolgreich?

Ehrlich gesagt weiß ich es auch nicht genau. Ich versuche einfach mit meinem Content Leute zu unterhalten und gute Tipps zu geben. Das scheint auf YouTube und Twitch sehr gut anzukommen.

Seit Oktober 2018 stehst du als Content Creator beim 1. FC Nürnberg unter Vertrag. Was sind dabei deine Aufgaben?

Durch meine Selbstständigkeit habe ich seit mittlerweile knapp acht Jahren viele Erfahrungen im Social-Media-Bereich gesammelt, die ich als Content Creator an unsere eSportler, aber natürlich auch an den 1. FC Nürnberg, weitergeben möchte. Größtenteils kümmere ich mich um die Social-Media-Accounts, begleite unsere eSportler bei Events und plane coolen Content für unsere eSport-Fans.

Was macht den 1. FC Nürnberg als Klub aus?

Der Verein hat so viele Hochs und Tiefs erlebt, die jeden Fan an den „Club“ schweißen und die Leidenschaft für diesen großartigen Verein fördern. Auch der sehr familiäre Umgang innerhalb des Vereins, den ich vor allem durch meine Tätigkeit als Content Creator mitbekomme, macht diesen Verein aus.

Im Modus FIFA Ultimate Team (FUT) hast du dich in diesem Jahr für eine „Road to Glory“ entschieden. Du versuchst also, dir ein Team ohne Echtgeld aufzubauen. Wie läuft es? 

Bisher bin ich sehr zufrieden. Mittlerweile ist es ja leider schon fast Standard, dass man selbst als „normaler Freizeit-Zocker“ Geld in FIFA Ultimate Team investiert, um sich die besten Spieler leisten zu können. Ich wollte einen anderen Weg einschlagen und meinen Zuschauern beweisen, dass man auch ohne Unmengen an Geld ein starkes Team zusammenstellen kann.

Wie würdest du dich als FIFA-Spieler charakterisieren?

Ich würde mich als soliden FIFA-Spieler bezeichnen, der mit Leidenschaft dabei ist. Was den Spielstil angeht, versuche ich immer offensiv zu spielen. Ganz nach dem Motto: Solange ich vorne mehr Tore erziele als ich hinten kassiere, gewinne ich.

Seit Anfang Februar können in Belgien keine FIFA Points mehr erworben werden. Würdest du dir das auch für Deutschland wünschen und wie siehst du Packs im Allgemeinen?

Das ist ein schwieriges Thema. Die Packs machen natürlich irgendwo den Reiz in Ultimate Team aus, weil jeder – zumindest rein theoretisch – die Chance auf die besten Spieler in FIFA hat. Jedoch würde ich es begrüßen, wenn man keine FIFA Points mehr kaufen kann und der Pay-to-Win-Faktor so reduziert wird. Vor allem junge Leute, die YouTuber oder Streamer verfolgen, welche Unsummen an Geld für FIFA Points ausgeben, werden natürlich schnell dazu verleitet, ihr Taschengeld ebenfalls dafür auszugeben. Das sollte auf jeden Fall besser reglementiert werden. 

Wie ist deine Meinung zum FIFA Title Update 7, das Ende Januar erschienen ist?

Prinzipiell finde ich das Update gut, jedoch hat es EA leider nicht geschafft, die richtige Balance zu finden. So wurden beispielsweise unrealistische Schüsse aus der Entfernung verschlechtert, dafür wiederum die KI so gestärkt, dass man in der Defensive gar nicht mehr aktiv verteidigen muss, sondern viele Angriffe des Gegners „automatisch“ geblockt werden. Ein Mittelding wäre meiner Meinung nach wie so oft die perfekte Lösung gewesen.

Du hast als Influencer eine große Vorbildfunktion. Wie gehst du damit um?

Als Person des öffentlichen Lebens hat man immer automatisch eine Vorbildfunktion. Vor allem in der Gaming-Branche, in der viele junge Leute unterwegs sind, sollte man sich dieser bewusst sein und dementsprechend handeln. Ich versuche dies zum Beispiel durch meine Road to Glory in FIFA, aber auch durch fairen und respektvollen Umgang miteinander – sei es in den YouTube-Kommentaren oder im Twitch-Chat.

Wie würdest du die FIFA-Community beschreiben?

In einem Wort: schwierig. Wie auch in vielen anderen Gaming-Communitys herrscht leider oftmals ein sehr rauer Umgangston. Viele Leute vergessen dabei, dass es sich nur um ein Spiel handelt, das in erster Linie Spaß machen soll.

Wie siehst du die von der DFL und EA Sports neu gegründete VBL Club Championship?

Das ist ein Schritt in die richtige Richtung. Der eSport wird sich auch in Deutschland in den nächsten Jahren immer weiterentwickeln und größer werden. Umso wichtiger finde ich es, dass die DFL in Zusammenarbeit mit EA Sports „relativ früh“ in diesen Markt einsteigt und das Potenzial erkennt.

Ist im Verlauf der Saison noch mit einem Einsatz von dir zu rechnen?

Da ich nur als Back-Up für unsere eSportler eingeplant bin, sind die Chancen eher gering. Die Jungs sind aber auch um Welten besser als ich, deswegen halte ich mich lieber im Hintergrund.

Zum Abschluss noch eine Frage zum realen Fußball: Was spricht dafür, dass der 1. FC Nürnberg in diesem Jahr die Klasse hält?

Die Tatsache, dass das rettende Ufer noch in Reichweite ist und ich fest daran glaube, dass unsere Mannschaft bis zum letzten Spieltag alles gibt, um am Ende der Saison über dem Strich zu stehen beziehungsweise den Klassenerhalt über die Relegation zu schaffen.