12.08.2019 12:58 Uhr
EA stellt den neuen Modus vor

VOLTA: Mehr als nur ein FIFA-Street-Klon

von Niklas Aßfalg

Specials FIFA 20
Foto: EA Sports
Foto: EA Sports
Im Rahmen der Ankündigungen zu FIFA 20 verschafft EA Sports auch einen Überblick über die größte Neuheit: VOLTA FOOTBALL.

Der Spielehersteller machte mit den vorangegangenen Pitch Notes bereits durchaus Appetit auf den neusten Ableger der Reihe. Verbessertes Gameplay, ein optimierter FUT-Modus, der ausgebaute Karrieremodus – alles schön und gut. Die spannendste Innovation wird allerdings der VOLTA-Modus darstellen. Losgelöst von Rasen und Rängen dürfen sich die Spieler an den entlegensten Orten der urbanen Großstädte miteinander messen. Seit FIFA 98 sei etwas Derartiges nicht mehr in ein einzelnes Spiel integriert worden. Dem interessierten Beobachter dürften allerdings sofort die oberflächlichen Parallelen zu FIFA Street ins Auge fallen.  

Mit diesem Vergleich räumt EA direkt auf: Erstmals wurden die Spezifika der Straße mit der bereits für den regulären Fußball in FIFA verwendeten Frostbite-Engine kombiniert. Der Realismus soll Einzug erhalten, die – nun ja, kreative – Physik der Street-Teile wird keinesfalls kopiert. VOLTA soll den Fans einen simplen Einstieg bieten, gleichzeitig aber auch durch Komplexität bestechen – easy to learn, hard to master. Bei der Konzeption stellten sich die Entwickler der Herausforderung, den "Vibe des Straßenfußballs" mit der Essenz dessen, was FIFA groß machte, zu vereinen. Das Spielerlebnis solle sich "einzigartig und familiär zugleich" anfühlen.

"Match-Type" und Umgebung bestimmen das Erlebnis

Eines der Hauptziele war es, die Fans vor eine große Auswahl an Möglichkeiten und Modi zu stellen. Das grundlegende Regelwerk ist dabei stark heruntergebrochen; Auswechslungen, Karten, Verletzungen, Abseits und Ausdauer wird es in VOLTA nicht geben. Die Feinmechanik der Spieler wird in drei fundamentalen "Match-Types" auf die Probe gestellt: In "Rush Keepers" wird auf Torhüter verzichtet, die Gehäuse sind dementsprechend klein und schwierig zu treffen. "Street with Keepers" stellt die nächstgrößere Variante dar, Schlussmänner sind auf Futsal-Tore zu bezwingen. "Futsal" ist die authentischste Spielform, etwas striktere Regeln und ein Schiedsrichter verleihen den Duellen mehr Struktur. 

Die Umgebungen können individuell angepasst werden und sollen für zusätzliche Abwechslung sorgen. Die wohl wichtigste Frage bei der Wahl des Spielfelds lautet: Wand oder keine Wand? Diese Entscheidung kann massiven Einfluss auf das Erlebnis VOLTA haben. Wände dienen nicht nur als natürliche Begrenzung, sondern auch als elementare Anspielstation. Der strategisch kluge Einsatz der Wand kann über Sieg und Niederlage entscheiden. Auch die Größe des Felds kann angepasst werden, drei Standardgrößen stehen hierbei zur Auswahl. Laut EA erzeugt jede Konfiguration eine ganz individuelle Anforderung, die Einstellungen können beliebig miteinander kombiniert werden. 

"Flüssig, spaßig und energetisch" 

Das ausschlaggebende Argument für den neuen Modus sind natürlich weder die geringere Spieleranzahl (zwischen drei und fünf Akteure pro Mannschaft) noch die ungewohnten Schauplätze. VOLTA soll durch den "flüssigen, spaßigen und energetischen Kern" des Straßenfußballs überzeugen. Die Bewegungen und das Positionsspiel erfolgen fließender, die Spieler müssen über das gesamte Feld hinweg Präsenz zeigen. Taktische Umstellungen wirken sich nicht auf die Formation, aber auf das Verhalten der einzelnen Akteure mit und ohne Ball aus. Apropos Ball: Das Spielgerät ist kleiner, springt weniger und rollt dafür besser. Selbst die Wände weisen Unterschiede auf, manche sind hart, andere weich.

Zum authentischen Erlebnis Straßenfußball darf natürlich die breite Palette an Tricks, mit denen der Kontrahent zur Weißglut getrieben werden kann, nicht fehlen. Im neuen Modus heißen diese Tricks "Skill Moves". Von angedeuteten Schüssen über schnelle Pirouetten bis hin zu eleganten Hebern kann bei ausreichender Fingerfertigkeit alles ausgeführt werden, was das Dribbler-Herz begehrt. Die einzelnen Elemente sind selbstverständlich kombinierbar und werden für einige Knoten in Verteidigerbeinen sorgen. Und wie auch auf dem großen Rasen ist vieles nur brotlose Kunst, Angeberei und Imponiergehabe gehören schließlich zum Straßenfußball. Die große Auswahl an ausgefallenen Torjubeln unterstreicht diesen Eindruck.

Auch VOLTA erhält einen Story-Modus

Individualität und Anpassung waren schon im FUT- und im Karrieremodus große Stichworte, auch in VOLTA kommt die Möglichkeit der eigenen Spielerkreation natürlich nicht zu kurz. Ob Klamotten, Frisuren oder Körperschmuck – die Optik der Figuren kann präzise auf die Vorstellung der Spieler zugeschnitten werden. Auch der Gruppenzwang ist passé, einheitliche Teamkleidung mitnichten ein Muss. Zu erwerben sind die einzelnen Produkte im VOLTA-Shop, dem Marktplatz für virtuelle Statussymbole. Mit wachsendem Erfolg auf dem Platz werden immer weitere, immer wertigere Objekte freigeschaltet. Auch eine eigene Währung erhält der neue Modus: Die VOLTA-Coins lassen sich durch absolvierte Spiele verdienen. 

Nach dem großen Zuspruch, den die storybasierte Journey-Trilogie erfuhr, wird auch VOLTA mit einem Story-Modus ausgestattet. Der selbstkreierte Avatar verfolgt den Traum, bei den Weltmeisterschaften in Buenos Aires anzutreten, und trifft auf seinem steinigen Weg auf zahlreiche Legenden des Straßenfußballs sowie altbekannten Profis. In VOLTA Tour hingegen können von der Community zusammengestellte Mannschaften quer über den Erdball herausgefordert werden. Von der Copacabana in Rio de Janeiro bis in die verwinkelten Gassen Tokios – das Fotoalbum dürfte prall gefüllt werden. 

Spiel im Spiel als Alternative ohne Restriktionen

Zu guter Letzt baute EA auch ein Online-Ligensystem ein, VOLTA League soll die Fertigkeiten der Spieler auf Basis regelmäßiger Wettkampfpraxis verfeinern. In Duellen mit Freunden wie Fremden können die angeeigneten Skills demonstriert werden, Platzierungen innerhalb der Tabelle sowie Auf- und Abstiege kennzeichnen naturgemäß das Abschneiden. Die Entwickler scheinen an alles gedacht zu haben, die Ankündigungen zu VOLTA lesen sich vielversprechend. Der neue Modus schickt sich an, ein eigenständiges Spiel im Spiel zu werden – eine beinahe gleichwertig anmutende Alternative für all diejenigen, denen passives Abseits, taktisches Foul und Co. zu restriktiv sind.