28.03.2019 12:49 Uhr
BFV-Interview

,MegaBit‘: „Selbstkritik ist der erste Schritt zur Besserung“

von Christian Bellinger

Interview
Foto: eSportStudio/DFL
Foto: eSportStudio/DFL
Michael „MegaBit“ Bittner spricht im BFV-Interview über die eNationalmannschaft, seine aktuelle Form und Wünsche für FIFA 20.

Bittner gehört derzeit zur absoluten Weltspitze im eFootball. Seit September 2018 streift sich der in Helmbrechts (Oberfranken) geborene Xbox-Spieler das Trikot des SV Werder Bremen über. Zuvor stand er beim VfL Bochum 1848 unter Vertrag. Im FIFA 19 Global Series Ranking wird „MegaBit“ aktuell auf dem dritten Rang geführt und ist damit auf dem besten Weg zum FIFA eWorld Cup 2019. Neben der VBL Club Championship konnte Bittner auch den FUT Champions Cup in Amsterdam 2018 gewinnen.

Michael, am Sonntag wird die erste deutsche eNationalmannschaft bekannt gegeben. Wie schätzt du deine Chancen auf eine Nominierung ein?

Ich schätze, dass ich gute Chancen auf eine Nominierung habe. Aber wir müssen uns noch bis Sonntag gedulden, dann wissen wir, wer die Ehre hat, Deutschland beim FIFA eNations Cup 2019 in London vertreten zu dürfen.

Was bedeutet es für dich, dass es bald einen Team-Weltmeister im eFootball geben wird? Die Überschneidungen zum realen Fußball werden dadurch ja immer größer.

Die Einführung von unterschiedlichen Teamwettbewerben gefällt mir sehr gut. Es macht unheimlich viel Spaß, gemeinsam mit einem Teamkollegen – oder in Zukunft vielleicht sogar mit mehr als nur einem Mitspieler – verschiedene Turniere zu bestreiten. Ich finde es super, dass der Teamgedanke aus dem realen Fußball jetzt auch im eFootball Einzug erhält. Ich denke, dass wir beim diesjährigen FIFA eClub World Cup gesehen haben, dass durch das Zwei-gegen-Zwei noch viel mehr Emotionen in den Wettbewerb einfließen. Deshalb wünsche ich mir, dass da in Zukunft noch viel mehr in diese Richtung kommt.

In der VBL Club Championship hast du als Einzelspieler mit 19 Siegen in 21 Partien überragt. Wie viel Vertrauen konntest du aus dem Wettbewerb für die Zukunft ziehen?

Mit dem Jahreswechsel habe ich mir fest vorgenommen, dass ich nach meiner kleinen Turnierpause im Januar, als ich zwei Events der Global Series verpasst habe, wieder voll da sein muss. Die Club Championship hat gezeigt, dass ich mich aktuell in einer sehr guten Verfassung befinde. Zwar habe ich international bisher noch keinen großen Titel holen können, aber ich bin der festen Überzeugung, dass der Titel in der VBL Club Championship am Ende der Saison nicht mein einziger Titel sein wird.

Wie groß war die Umgewöhnung vom 85er-Modus zum Ultimate-Team-Modus, den du in der Weekend League und auf verschiedenen Events der Global Series spielst?

Der Unterschied ist, dass sich die Spieler im 85er-Modus viel langsamer bewegen und die meisten nicht die aus Ultimate Team bekannte Passsicherheit vorweisen. Du musst deinen Spielstil also extrem anpassen, weil du nicht mehr so direkt spielen kannst, wie du es aus FUT gewöhnt bist. Zusammenfassend ist zu sagen, dass du im VBL-Modus vorsichtiger und mehr von hinten heraus spielen musstest.

Mit welchen Erwartungen blickst du auf das VBL Grand Final im Mai?

Ich ziehe gerne den Vergleich zum vergangenen Jahr, als ich im Vorfeld als einer der Favoriten gehandelt wurde. Damals hat mir das nichts gebracht und ich bin bereits in der Gruppenphase ausgeschieden. Das soll sich in diesem Jahr natürlich nicht wiederholen. Ich habe mir vor der Saison fest vorgenommen, auf nationaler Ebene voll anzugreifen. Dennoch ist es sehr wichtig, dass du bei der hohen Leistungsdichte in Deutschland immer von Runde zu Runde schaust.

Welche Bedeutung hat das Analysieren von Spielen für dein Gameplay?

Meistens reicht es, wenn du dir die Highlights vom Spiel anschaust. Aber es gibt auch Gegentore, wo der Fehler deutlich früher gemacht wird und er damit nicht mehr in der Wiederholung zu sehen ist. Da ist es schon lohnenswert, das Match aufzunehmen und im Nachhinein zu analysieren. Es kommt durchaus mal vor, dass du von anderen Profis abgeschossen wirst. Da ist es wichtig, deine Schwächen entsprechend zu analysieren.

Was kannst du ambitionierten FIFA-Spielern empfehlen, um in Zukunft mehr zu erreichen?

Es ist wichtig, dass du dir eingestehst, dass du Fehler machst. Selbstkritik ist der erste Schritt zur Besserung. Dabei helfen die eben angesprochenen Spielaufnahmen, aber ebenso ist es sehr wichtig, viel zu spielen und das vor allem in Division Rivals. Es wichtig zu erkennen, wo du Fehler machst und wie Gegentore entstehen. Wenn du dich nur an deinen Stärken hochziehst, wirst du niemals besser werden. In Rivals wirst du durch immer stärker werdende Gegner regelmäßig an deine Leistungsgrenze geführt.

Wie siehst du den Einstieg des Bayerischen Fußball-Verbandes in den eFootball?

Ich finde es richtig gut! Es ist schön zu sehen, dass verschiedene Landesverbände langsam auch im eFootball aktiv werden. Dass der Bayerische Fußball-Verband aus meinem Heimatbundesland dabei eine Vorreiterrolle einnimmt, ist natürlich umso schöner.

Was würdest du dir gameplaytechnisch für FIFA 20 wünschen?

Ich hoffe, dass die CPU-Verteidigung im kommenden Jahr abgeschwächt wird. Das würde meinem Pressing-lastigen Spielstil entgegenkommen. Ansonsten sollte die Beweglichkeit der Spieler noch größer werden, um mehr Moves machen zu können. Dabei spielt natürlich auch eine gute Stabilität der Server eine gewichtige Rolle. Wenn sich das noch ändert, werden wir über die kommenden Jahre sehr viel Spaß an FIFA haben.

In knapp zwei Wochen steht das letzte Qualifikationsturnier für den BFV eSports Cup 2019 powered by M-Net auf dem Programm. Ist mit einer Teilnahme von dir zu rechnen?

Da ich am Wochenende vorher beim sechsten FUT Champions in London bin und erst am Montagnachmittag zurückfliege, weiß ich nicht, ob sich das zeitlich realisieren lässt. Ich kann also nichts versprechen und werde das spontan entschieden.